Books from us >> Agartha - Die Welt im Inneren der Erde
 

 


 
 
 

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Author:
Mariana Stjerna
Email:
info@soullink.se
Book:
Price eBook:
Price Paper:
16,20 USD (incl. VAT)
Price Kindle:
8,90 USD (incl. VAT)
ISBN:
Country:
Sweden
Publisher:
SoulLink Publisher, Sweden
 
 
About the author:

Mariana Stjerna ist ein hochangesehenes schwedisches Medium und exzellente Autorin, was sich in ihrem flüssigen Stil zeigt. Sie ist seit ihrer Kindheit hellsichtig und hat mehrere Bücher über spirituelle Themen geschrieben. Sie arbeitete als Lehrerin und unterrichtete später spirituelle Entwicklung und Weisheit. Vor vielen Jahren saβ Mariana in ihrem Arbeitszimmer und schrieb einen Brief an einen Freund. Plötzlich hörte sie eine Stimme laut sagen: “Hör damit auf! Hör mir zu!” Als sie aufsah sah sie einen groβen Mann neben ihrer Schreibmaschine stehen und sie anlächeln. Er war nur einen kurzen Moment da, aber sie sah ihn sehr deutlich. Sie erkannte auch sein Gesicht, aber sie benötigte einige Zeit um herauszufinden, wer er war.
Sein Name war Jan Fridegård, ein sehr berühmter schwedischer Schriftsteller, der einige Jahre zuvor verstorben war. Sie hatte sich nie für seine Bücher interessiert, aber sie hatte ihn jetzt gesehen und damals in ihrer Jugend als sie in ein bekanntes Café für Künstler in Stockholm ging. Jan fuhr fort mit ihr zu reden und wurde in den darauffolgenden Jahren Marianas Quelle der Inspiration. Das ist er noch heute. Er hat mehr oder weniger vier der fünf hier erwähnten Bücher diktiert. Jedes kann einzeln gelesen werden.
Bisher hat Mariana achtzehn Bücher veröffentlicht, die folgenden sechs davon in Englisch: Agartha – The Earth´s Inner World, On Angels’ Wings, Mission Space, The Bible Bluff, The Invisible People sowie Time Journey to the Origin and the Future.
 
Description:

Eines Tages klopfte ein junger Mann, Timothy Brooke, an Mariana Stjernas innere Tür und der Roman „Agartha“ war geboren. Wie im Buch beschrieben wurde Timothy von Agarthern nach einem Schiffbruck vor der Küste Kanadas Mitte des 20. Jahrhunderts gerettet. Er ist jetzt am Leben und wohlauf in Agartha, der hohlen Erde oder der Welt im Inneren. In Agartha wird die Welt im Inneren der Erde beschrieben. Sie wird von einem fortgeschrittenen Volk bewohnt, das plant, den Menschen auf der Oberfläche sehr bald zu Hilfe zu kommen. In dem Buch erzählt Timothy seine Geschichte und beschreibt das Leben in diesem fünfdimensionalen Paradies, das mit groβer Wahrscheinlichkeit deine zukünftige Heimat sein wird.
 
Reviews:
 
Excerpt from the book:
Agartha – Die Welt im Inneren der Erde

Inhalt:

Gerettet von Paradies im Inneren der Erde
Agartha – ein Paradies im Inneren der Erde
Eine wichtige Mission für Tim
Traurige Neuigkeiten in Seattle
Die Reise nach Schweden
Eine unmögliche Mission
Tims neue Familie
Zurück im Untergrund
Eine Tour durch Telos und Umgebung
Ein langersehntes Wiedersehen und eine neue Bekanntschaft
Ein faszinierender Ausflug
Ein echter lebender Drache!
Nancy und Ellie kehren heim
Eine Begegnung mit Saint Germain
Magische Gebäude
Shamballa – ein Paradies im Inneren der Erde
Eine aufregende Begegnung mit wilden Tieren
Der Bund der Liebe
Zurück zur Normalität und Touristen in Agartha
Sinn und Zweck von Haustieren
Der Unterricht beginnt
Der Tempel des Glaubens und ein Treffen mit Melchizedek
Verwandtenbesuch
Der Kardinal vom Vatikan
Festlichkeiten in Agartha
Besuch eines Waisenhauses in Agartha
Wie sich die Erde verändern wird
Indianische Weisheit und das Feuer des Lebens
Das Geschenk der alten Mutter Sjaluna
Bei den Aborigines
Der Geburtsort der Menscheit – Afrika
Ein völlig anderes China
Eine weitere Begegnung mit Saint Germain
Das Haus der Transformation
Epilog des Autors

1. Gerettet von Wesen aus dem Inneren der Erde

Ein Fliehen in die Ewigkeit, oder aus der Ewigkeit? Mit diesem Gedanken erwachte ich aus meiner Meditation.
Ich mag geschlafen haben oder wach gewesen sein. Manchmal ist es schwer, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden. Es ist effektiv möglich, Realität im Traum zu erfahren. Dort werden unerreichbare Dinge erreichbar. Für mich war es eine seltsame Reise. Und für mich ist sie Realität geworden. Aber du kannst natürlich an meiner Geschichte zweifeln – bis sie bewiesen werden kann. Ich habe keinen Beweis ... bis jetzt!
Ein groβer, junger Mann mit blondem Haar, fröhlichen blauen Augen, regelmäβigen Zügen und einem wohlgeformten Mund – im Grunde ein gutaussehender junger Mann - war erschienen während ich meditierte. Er begann zu reden und in meinem Kopf konnte ich jedes Wort, das er sagte, hören. Ich war verblüfft!
„Hi Mariana!”, sagte er. „Mein Name ist Timothy, aber alle nennen mich Tim. Mein Nachname ist Brooke. Ursprünglich komme ich aus Seattle, USA, aber ich bin „ausgewandert“ und derzeit wohne ich im Inneren der Erde. Du wirst mir wahrscheinlich zunächst nicht glauben, aber ich denke ich kann dich überzeugen. Das ist meine Mission. Es ist Zeit für die Leute, die auf der Erdoberfläche leben zu erfahren, dass wir existieren.
Jetzt werde ich Dir jetzt meine Geschichte erzählen.”

***

Mein Vater war Schiffskapitän. Ihm gehörte ein kleines Frachtschiff mit dem er seine Geschäfte entlang der Küste zwischen Seattle und Vancouver, Kanada, abwickelte. Ich wurde sozusagen gegen meinen Willen als Seemann groβgezogen, obwohl meine Mutter nicht wollte, dass ich zur See fuhr. Sie fand ihre ständige Sorge um meinen Vater war genug.
Meine Mutter war Schwedin und mein Vater britischer Herkunft. Deshalb bin ich zweisprachig. Sie trafen sich auf einer Kreuzfahrt Mitte des 20. Jahrhunderts. Dann wurde ich geboren und später meine Schwester. Alle drei sind nun tot; nur ich überlebte ein Schiffsunglück als ich neunzehn war. Trotz der Tränen meiner Mutter und ihrem Flehen, ich solle nicht zur See gehen, war ich zu diesem Zeitpunkt meines Vaters erster Offizier, anstatt auf der High School zu bleiben. Vater war ein resoluter aber fairer Mann, und ich liebte ihn.
Ein furchtbarer Sturm fegte unerbitterlich über uns hinweg, mit Wellen so hoch wie Häuser. Unser kleines Boot hatte schon zuvor Stürme überstanden, aber dieser war wie ein Vulkan. Wir waren nahe an der Küste, die felsig und unerreichbar war. Vater wollte so nah wie möglich an der Küste ankern, als wir aufs Land zu steuerten. Unsere Fracht bestand aus Holz und war schwer, aber wir kamen nicht sehr weit, bevor wir in einem Strudel gefangen waren, der das Boot wie einen Handschuh aufsteigen lieβ und es gegen die nächstgelegensten Klippen warf. Ich erinnere mich an einen schreckliches Krachen und meines Vaters ansonsten ernstes Gesicht nahe an meinem.
„Ich liebe Dich, mein Junge“, schrie er mit Tränen in seinen Augen. „Wenn wir aus diesem Sturm herauskommen, werde ich dich nie wieder zwingen, jemals wieder zur See fahren zu müssen.”
Das waren seine letzten Worte. Das Schiff war in Stücke gerissen, ich trieb im Meer und klammerte mich an ein Stück Treibholz auf den kalten Wellen. Ich erinnere mich, dass ich bewusstlos wurde. Vater war tot und die vier anderen der Mannschaft verschwunden.
Plötzlich fühlte ich einen Menschen in der Nähe, und ein Boot trug mich stetig vorwärts. War das der Tod? Ich lag auf dem Boden des Bootes und versuchte mich auf meine Ellbogen aufzusetzen, fiel aber sofort wieder zurück. Ein freundliches Gesicht mit klar geschnittenen Zügen und langem, blondem Haar beugte sich über mich. Zuerst konnte ich nicht sagen, ob es männlich oder weiblich war. Kurz darauf erkannte ich, dass es ein Mann war.
Das Boot fuhr in einen gut beleuchteten, mit Zeichnungen verzierten Tunnel. Das war kurz bevor wir an einem Steg anlegten. Der blonde Mann und ein anderer mit dunklen Haaren hieben mich hoch und halfen mir an Land.
“Wo bin ich, wo ist mein Vater? Wo ist der Rest der Mannschaft? Ist das Holz untergegangen?” Die Fragen sprudelten nur so aus mir heraus.
“Weder dein Vater, noch die Mannschaft, noch das Holz konnte gerettet werden. Du hattest dich an ein Stück Treibholz geklammert, das dich direkt zu uns brachte. Das hat dein Leben gerettet. Wir hielten Ausschau nach gekenterten Schiffen von dem Sturm. Du bist jetzt im Inneren der Erde. Willkommen!” Der Mann sprach ausgezeichnetes Englisch.
„Ich bin Mannul Zerpa und ich bringe dich in unsere Welt, damit du dich ausruhen kannst.”
Als ich jünger war, erzählte mir ein Seemann viele Geschichten. Eine davon handelte von einer Welt, die im Inneren der Erde existierte, was mich völlig faszinierte. Natürlich dachte ich, es war nur Seemannsgarn. Und doch, hier war ich, geradewegs mittendrin, mitten in einer alten Seemannsgeschichte! Ich kniff mich selbst fest, um sicherzustellen, dass ich nicht träumte. Das konnte nicht wahr sein – aber es war wahr.
„Wann kann ich nach Seattle zurück?”, fragte ich.
„Du musst das später mit jemand anderem aufnehmen. Schau dich um! Du gehst auf fester Erde.”
Das Licht war seltsam als wir aus dem Tunnel oder Loch im Felsen kamen, wo das Boot befestigt war – ein seltsames Leuchten in einer seltsamen Sommerlandschaft. Ich hatte Seattle an einem dunklen Novembermorgen verlassen, es windete und nieselte. Blätter lagen auf der Erde und der Himmel war grau.
Hier war die Luft klar, und ein freundlicher Sonnenstrahl fiel auf uns. Prächtige Blumen säumten unseren Weg. Überall waren grüne Bäume und Büsche. Es war wie ein schöner Morgen in einem kanadischen Wald. Als ich jünger war war ich sehr oft mit meinem Vater und meinem Onkel in Wäldern wie diesem gewesen, aber dieser erschien mir irgendwie dünner und heller, mit mehr Blumen.
„Wir kommen jetzt in das Dorf, wo du wohnen wirst”, verkündete mein blonder Lebensretter mit einem Lächeln. Im wahrsten Sinne des Wortes mein Lebensretter!
„Ich muss dir danken“, stammelte ich. „Du hast mein Leben gerettet. Ich fühle mich einfach so verwirrt. Ich bin wirklich im Inneren der Erde, unterhalb der Erdoberfläche in einer Art Dorf in ländlichem Gebiet?”
„Du wirst mehr herausfinden wenn wirt dort sind”, verkündete Mannul. „Ich habe sehr viele Leute vor dem Ertrinken gerettet. Euer Schiff ist nicht das Einzige, das auβerhalb dieser Berge gesunken ist. Es ist nur das Meer da drauβen, das heimtückisch ist, das Meer das zur äuβeren Erde gehört. Hier drinnen ist es ruhig und immer Sommer.”
Damit musste ich mich zufriedengeben.
Wir liefen durch die wunderschönste Landschaft, die ich je zuvor gesehen hatte, bevor wir das Dorf mit den groβen, runden Gebäuden erreichten. Sie wirkten eigenartig strahlend, wahrscheinlich aufgrund der Steine aus denen sie gemacht waren. Aus den prächtigen Bäumen erklang Vogelgezwitscher und ich sah Eichhörnchen und einen kleinen Hasen, der hinter ein Grasbüschel schlich. Es war wie die äuβere Erde und doch sehr unterschiedlich. Irgendwie war es zu perfekt, wie in einem Film!
Die Häuser umrundeten etwas, das wie ein kleiner Marktplatz aussah, mit einem Brunnen in der Mitte. Wir betraten eines der Häuser. Ein Flur mit einer bogenförmigen Decke führte in einen halbrunden Raum mit Fenstern, die vom Boden bis zur Decke gingen. Die Möbel in dem Raum würde ich als modern erachten – gemütliche, wunderschön gestaltete Tische und Stühle, und doch unterschieden sie sich von den Möbeln auf der Erde. Alles leuchtete, als ob die Möbel selbst und die umgebenden Wände lebendig wären. Und das Dach! Es gab keines. Es war oben offen, mit Sonnenlicht das sanft durch verwobene Blätter und Zweige schien.
Mannul gab mir zu verstehen, mich an eines der unverglasten Fenster zu setzen, von wo ich eine groβartige Aussicht hatte. Der freundliche, blonde Mann verschwand, nachdem er eine Tasse vor mich hingestellt hatte. Er sagte, er wäre bald zurück und bat mich auszutrinken, bevor er zurückkam.
Ich probierte das Getränk. Es war wundervoll, wie ein heller Wein mit einem Hauch von Honiggeschmack. Der erste Schluck schoss durch meinen Körper wie ein Feuerpfeil und stieg mir gleich zu Kopf. Du meine Güte, ich glaube ich werde betrunken! Aber ich war nicht betrunken, nicht einmal nachdem ich alles ausgetrunken hatte. Ich erfuhr hingegen eine intensive Klarheit der Gedanken und ein groβartiges Wohlgefühl.
Als Mannul zurückkam war er nicht alleine. Bei ihm war ein Mann, der mindestens zwei Meter groβ war. Er hatte schimmerndes langes, braunes Haar, war rasiert und gelenkig. Seine riesigen, schönen Augen waren umrahmt von einem jungen Gesicht, dennoch hatte ich das Gefühl dass er älter war als die Zeit! Ich wartete höflich und verbeugte mich, und er schenkte mir ein freundliches Lächeln und umarmte mich.
„Willkommen im unterirdischen Wunderland, Timothy”, sagte er. „Ich weiβ wie Du hierhergekommen bist, und jetzt werde ich Dir sagen wo du bist.”
„Bist du ein weiser Meister?”, unterbrach ich ihn. „Ich habe gehört, dass es im Inneren der Erde Menschen gibt.” Der Mann lachte herzlich.
„Es gibt überall Weisheit, junger Mann”, antwortete er. „Die Person, die sich selbst für weise hält, ist dumm. Dummheit versucht immer die Weisheit irrezuführen. Aber wenn du nach Weisheit suchst, musst du dich nur sorgfältig umsehen. Die Natur ist voller Weisheit, und die die Erdbewohner tun ihr Bestes, um sie zu zerstören.”
„Wer bist du?”, fragte ich neugierig wie immer.
„Mein Name ist Dariel. Du musst noch nicht mehr wissen. Ich bin einer der Neun des Kommitees hier. Wir heiβen dich willkommen und fragen dich, ob du ein paar Tage als unser verehrter Gast von der Erdoberfläche hier bleiben möchtest?“
Ich verneigte mich erneut und akzeptierte die Einladung. Eine solche Einladung lehnt man nicht einfach ab.
„Werdet ihr mir helfen danach heimzukommen?“ fragte ich. „Meine Mutter muss sich groβe Sorgen machen, ob ich mit den anderen ertrunken bin.“
„Ja, wir werden dir helfen, heimzukommen, wenn du dann noch willst.“ Dariel warf mir einen langen, intensiven Blick zu. „Wir zwingen niemanden hier zu bleiben, aber wenige kehren zurück, und denjenigen die gehen glaubt niemand, wenn sie den Leuten von uns erzählen.“
„Dies ist ein schöner Ort zum Leben. Wir kämpfen nicht um Geld und für die meisten unserer Bedürfnisse ist gesorgt. Wir verfolgen die Geschehnisse auf der Oberfläche und der Menschen dort. Wir wissen dass ihr vermeintlicher Fortschritt nur Unheil gebracht hat. Hier ist alles einfacher. Du wirst es lieben.“
Dariel bückte sich und nahm meine Hände. Er schaute mir geradewegs in die Augen und ich war erfüllt von einem unbeschreiblichen inneren Frieden. Ich trauerte noch immer zutiefst um meinen Vater und vermisste meine Mutter und Littl’un, meine Schwester. Blitzartig lieβen die Trauer und die Sehnsucht nach und ich wollte mehr über dieses sonderbare Land in dem ich mich befand, wissen. Es war als ob ich sanft von einem Engelflügel gestreift worden wäre, der mich glücklich und friedvoll fühlen lieβ. Aus der Ferne erklang sanfte Musik, überhaupt nicht wie die moderne Musik von der Oberfläche, mehr wie Mozart oder einer der alten Meister.
„Mannul wird dich auf eine Reise zu unseren Landesgrenzen mitnehen, die in einigen Tagen beginnen wird. Zuerst wirst du Telos besichtigen, wo alle Erdbewohner bleiben, wenn sie zufällig in unserer Welt landen.
„Timothy, ich bin dein Freund. Bitte komme zu mir wenn du Fragen hast oder Hilfe jeglicher Art benötigst. Wir treffen uns wieder, wenn es an der Zeit ist.

2. Agartha – ein Paradies im Inneren der Erde

„Ein Land in dem es keine Sorgen gibt!“ rief ich, als Mannul mich durch das Dorf führte, das wie ein riesiges Lächeln aufgebaut war. Mannul grinste auch.
„Du hast recht“, erwiderte er. „Aber die meisten Menschen die hier leben sind gewöhnliche Leute wie du und ich. Es gibt Sorgen, aber sie werden hier anders gehandhabt. Ihr erlaubt dass sie euch dominieren, aber wir meistern Sorgen und Rückschläge. Freundliche Hände stehen zur Verfügung wenn jemand Hilfe benötigt – physisch sowie psychologisch.
„Auf der Erdoberfläche habt ihr die Freude, einander zu helfen, noch nicht entdeckt. Eure Gedanken drehen sich um Geld. Hilfe kostet Geld und nicht jeder kann sie sich leisten. Aber Tim, jeder hat ein Herz, und das kostet nichts. Du musst nur darauf hören. Dein Herz gibt dir guten Rat, aber du musst dieselbe Sprache sprechen. Erfahrung und Verständnis werden dir helfen.“
Ich weiβ nicht was danach passierte, es ging alles so schnell! Mannul hielt meine Hand und ich fühlte mich wie ein ängstlicher, erwartungsvoller Siebenjährigen, der zum ersten Mal zur Schule ging. Ich hatte nicht viel Zeit, um die Kulisse zu sehen, die plötzlich an mir vorbeizog. Es schien als ob sich zu einem Zeitpunkt Wasser unter mir befand, und kleine weiβe Gänse (die wir von zuhause kannten), die sich auf dem dunkelblauen Wasser auf und ab bewegten. Dann war da Sand an goldenen Sandstränden und schlussendlich smaragdgrünes Gras. Schlieβlich kamen wir mit einem dumpfen Aufschlag an Land.
„Schau dich um!“, rief Mannul.
Ich tat es. Wenn Mannul nicht meine Hand festgehalten hätte, wäre ich vermutlich bewusstlos geworden, aber es gab einen Anlass für meine Verwirrung. Die Luft und die herrliche Umgebung waren lebendig – nicht durch den friedlichen, ewigen Atemzug, sondern völlig greibar, lebendig, fast schon unbändig. Jeder einzelne Busch, jeder Baum und jede Blume machte Geräusche, die an eine Kakofonie grenzten. Kleine Gestalten bewegten sich sanft hin und her und rundherum. Sie schlängelten sich zwischen, auf und in den Pflanzen entlang. .
Die Sommerwiese war auf vielerlei Art lebendig.
Elementarwesen und Menschen drängten sich hier. Ich konnte Menschen sehen – Erwachsene und Kinder – und ich hörte mitreiβende Musik. Alle tanzten.
„Tanzen sie hier schon am frühen Morgen?“, fragte ich, leicht geschockt über so viel Enthusiasmus so früh am Tag.
„Natürlich!“, antwortete mein Führer und schaute mich an als ob ich merkwürdig wäre. „Wenn jemand bei der Arbeit tanzen will, versammeln wir uns zum Tanz und singen.“
„Wird so irgendetwas erledigt?“, wagte ich zu fragen.
„Mehr als wenn wir nicht tanzen würden“, erwiderte er. Ich seufzte. Dies war ein anderes Land und es war an der Zeit mich für neue Ideen zu öffnen. Alle Länder haben ihre eigenen Bräuche und dies traf im Inneren des Planeten sowie auf der Oberfläche zu. Es gab riesige Unterschiede.
Wir standen eine Weile und schauten den Tanzenden zu. Es war wie ein Volkstanz, obwohl ich bisher nur kanadische und schwedische Volkstänze gesehen hatte und mich nicht für einen Experten halte. Die Musiker tanzten während des Spielens und ihre Geigen und andere Instrumente, die ich nicht kannte, klangen wie Volksmusik von Dalarna, Schweden, wo meine Groβmutter lebt. Ich hatte meine Groβmutter seit ein paar Jahren nicht mehr besucht, aber ich erinnerte mich daran, wie wundervoll der schwedische Mittsommer war. Dies hier war ähnlich, aber ohne Betrunkene und Prügeleien.
Ich schaute Mannul fragend an, kichernd nahm er meine Hand und zog uns zu den Tanzenden. Bald hielt ich eine sanfte, weibliche Hand und erblickte eine lächelndes junges Mädchen, das mich herumwirbelte. Aber der Tanz dauerte nicht ewig, unabhängig von meinen Wünschen. Mein „Untergrund“-führer zog mich weg.
„Wir müssen weiter!“, erklärte er und lachte über meine enttäuschte Reaktion. Eine ausnehmend schöne Landschaft zog an meinen begeisterten Augen vorüber, bis wir zu einem Dorf kamen. Dort waren weniger Häuser, jedoch alle im selben „Bienenstockstil“, wie ich ihn nenne, aufgebaut, obwohl sie runder waren als Bienenstöcke, nur ohne Dächer. Ich fragte mich, ob sie hier auch Regen, Stürme oder Schnee hatten.
„Nein“, Mannul las meine Gedanken (das auch noch!). „Wir haben hier ein perfektes Klima. Wir haben hier das ganze Jahr über, was ihr Frühsommer nennen würdet und nahe immerzu volle Blüte.“
„Wie kommt es, dass hier das perfekte Klima herrscht, während wir auf der Erdoberfläche Regen, Schnee und Stürme haben?“, fragte ich überrascht.
„Sickert unser Wetter nicht irgendwo durch?“ Mannul lachte schallend. Ich verstand nicht, worüber er lachte. In der Nähe war eine Parkbank und er forderte mich auf, mich zu setzen. Er erklärte das erstaunliche Klima im Inneren der Erde folgendermaβen:
„Alles hat mit Glauben zu tun“, sagte er. „Wir fühlen uns hier sicher. Es gibt keine Angst, Sorgen, Übel, Neid oder Eifersucht. Wir haben gelernt in völliger Sicherheit zu leben und glauben an eine unendliche Kraft, die immer da ist, um uns zu helfen und uns zu beschützen. Negativität zerstört die untere Atmosphäre und die Stratosphäre. Wetterphänomene spiegeln Gedankenmuster.“
„Zerstörung auf der Erdoberfläche heiβt, dass die meteorologischen Kräfte genauso zerstörerisch sind. Sie werden von der Atmosphäre auf der Erde beeinflusst, die von harmonisch weit entfernt ist. Es gibt religiöse Konflikte. Neid und Misstrauen, angeheizt durch Geld und Drogen, zerstören anstatt aufzubauen. Wenn wir Gut und Böse gegeneinander aufwiegen, mein lieber Tim, verliert das Gute jedes Mal.“
„Du meine Güte!“, rief ich ungläubig. „Du meinst nicht, dass das Wetter davon abhängt, wie die Menschen denken? Sicherlich wird das Wetter ausschlieβlich von anderen Kräften geregelt.“ (Mir fiel nichts anderes ein als der National Weather Service [der National Weather Service (NWS) ist eine von sechs wissenschaftlichen Einrichtungen, die zur National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der Vereinigten Staaten von Amerika gehören], aber ich fühlte das war nicht ganz was ich in diesem Zusammenhang meinte).
„Hier könnte man sagen, dass wir im Schoβ der Erde sind“, sagte Mannul lächelnd. „Dies als solches steht für Sicherheit, da eure widrigen Umstände die dicke Kruste zwischen uns nicht durchdringen kann. Wir ehren, danken und streicheln Mutter Erde buchstäblich jeden Tag, und als Dank dafür versorgt sie uns mit Schutz und Liebe. Ihr Oberflächenbewohner würdet euch besser fühlen wenn ihr euch auf eure Gegenseite in Agartha (der Name der Welt im Erdinneren) konzentrieren und Kraft von hier schöpfen würdet, wenn ihr niedergeschlagen oder besorgt seid. Wenn ihr uns nur um Stärke bitten würdet.“
„Wir wissen nichts von euch“, antwortete ich verbittert. „Wie können wir jemanden um Hilfe bitten, wenn wir nichts von deren Existenz wissen?“
„Dann ist es Zeit für uns, auf die Menschen auf der Erde zuzugehen“, war die Antwort. „Aber wir wollen nicht diejenigen ermutigen, die die Samen von Widerspruch und Zwietracht säen. Das ist der Grund, weshalb wir uns so lange abgeschirmt haben. Und auβerdem, wie steht es mit dem Gott, den ihr verehrt? Er wird auf der ganzen Welt mit groβem Prunk verehrt. Ihr betet zu ihm, verübt Kriege in seinem Namen, streitet wegen ihm und legt ihm alle Schuld zu Füβen. Was für eine Religion ist das? Man könnte denken das ist logisch, aber wir nicht. Deshalb wäre es schwierig Menschen von der Erdoberfläche hier wohnen zu lassen, es sei denn sie sind speziell auserwählt oder Personen, die hier her kamen wie du.“
„Ich möchte auf die Oberfläche zurückkehren und jedem von euch erzählen“, sagte ich.
Mannul nickte und half mir, von der Bank aufzustehen.
In diesem Dorf konnte ich nicht viele Leute sehen. Kinder spielten hier auf dieselbe Art und Weise wie die Kinder auf der Erdoberfläche. Es gab Sandkästen und Schaukeln und Erwachsene, die sich um sie kümmerten.
Es gab Schwimmbecken in denen Kinder schwammen. Die Schwimmbecken waren wundervoll, mit Rutschbahnen die Kinder lieben. Kleine, sandige Hänge waren umgeben von üppiger Vegetation, von wo aus die Kinder ins Wasser gleiten konnten. Es gab faszinierende, gewundene Steinstufen, um hoch und runter zu flitzen und vieles mehr. Die Kinder schienen in einem Märchenland zu leben.
„Hier sind recht viele Kinder ...“, begann ich. Ich frage mich wie sie hier her gekommen sind, aber ich wagte nicht zu fragen. Mannul brach in Gelächter aus, woran ich mich langsam gewöhnte.
„Hör zu, junger Mann!“, schnaubte er überschwenglich bevor er fortfuhr. „Brauchst du Sexunterricht? Es ist hier genau gleich wie auf der Erdoberfläche. Wir nennen es hier Liebe, was es dort oben selten gibt. Sex is dort oben verdorben. Hier ist es etwas Positives, das wir respektieren. Bei uns gibt es keine Ehe, sondern eine „Vereinigung“ von Körper und Seele. Und eine Vereinigung ist immer eine gute Entschuldigung für eine Party.“
„Untreue, Fehler, Indiskretion, Scheidungen, ...?“ fuhr ich fort.
Mannul lachte erneut als er antwortete: „Du hast es wieder falsch verstanden, mein Sohn. Diese Worte existieren in unserem Vokabular nicht. Ihr lebt da oben als ob ihr nur aus Körpern bestündet. Wir sind Seelen mit einem viel höheren Bewusstsein. Aber wir haben genauso viel Spaβ wie ihr – nur mit dem Unterschied dass wir unser ganzes Leben zusammenbleiben.“
„Für hunderte von Jahren“, kicherte ich. „Ihr hättet wirklich Zeit, um einander überdrüssig zu werden. Man muss auch andere Dinge ausprobieren ... sogar im Sex, oder?“
„Ich sehe nicht warum.“ Mannul schien wirklich nicht zu verstehen. „So funktioniert die Liebe hier sowieso nicht. Komm, lass uns weitergehen. Wir gehen zu einer Art Symposium, das sie unterhalb des Mount Shasta in Telos haben. Sie diskutieren über die Oberflächenbewohner, und ich möchte dass du mit mir mitkommst.“
Ich war voller Neugier. Vielleicht konnte ich von hier zur Erdoberfläche kommen. Mount Shasta war in Kalifornien und ich wollte heim nach Seattle. Es gäbe Flüge aber ich hatte kein Geld. Soviel dazu.
„Keine Sorge, mein Sohn. Wir werden eine Lösung finden. Wenn du nach Hause willst und die anderen zustimmen, werden wir Geld für die Reise auftreiben. Lass uns eins nach dem anderen angehen.
Ich dachte an das unglaublich süβe Mädchen mit dem ich getanzt hatte und überlegte zu bleiben. Mannul las meine Gedanken mühelos, warf mir einen kurzen Blick zu und grinste.
„Ihr Name ist Sisilla“, sagte er.

3. Eine wichtige Mission fur Tim

Der Rest der Reise erfolgte in einem sogenannten Luftkissenboot und verlief doppelt so schnell. Ich hatte wenig Zeit, um die Umgebung zu sehen, nur flüchtige Bilder von Bergen, Wäldern und Seen flogen an uns vorbei – oder wir an ihnen. Es machte mehr Spaβ als im Flugzeug zu fliegen. Wir legten mit einem Platsch im Kanal an. Nicht mit einem kräftigen Aufprall, sondern sanft wie ein Tänzer im Schwanensee.
Hier war schlieβlich ein Haus, das wie ein Haus aussah. Es war niedrig, langgezogen und oval gebaut, aber ich konnte auch hier kein Dach sehen. Es schimmerte in Rosa – ungewöhnlich für ein Haus. Darum herum waren Massen von herrlich gestalteten Blumen, in allen erdenklichen Farben.
„Das ist was ihr das Rathaus nennen würdet. Wir nennen es Haus der Begegnung. Manchmal haben wir Planungssitzungen und organisieren Hilfe. Hier kannst du nach Hilfe fragen, um nach Hause zu kommen.“
Wir gingen hinein. Ich war überwältigt von der Schönheit im Innern des Gebäudes. Die Wände waren mit schönen Naturbildern bemalt und zwischen den Fliesen und dem Boden wuchsen niedrige grüne Pflanzen mit weiβen und gelben Blumen. Groβe, anmutige, helle menschliche Gestalten liefen hier überall herum.
Wir gingen die Wendeltreppe hinauf in die Mitte des Raumes. Das Gebäude hatte kein Dach und das oberste Stockwerk bestand aus einer Art Hängebühne. Sie bewegte sich nicht, was mich sonst seekrank gemacht hätte. Mannul lächelte, nahm meinen Arm und führte mich zu einem groβen, luftigen, scheinbar schwebenden Raum. Dort waren 9 Personen, Männer und Frauen. Sie saβen in kreisförmig angeordneten bequemen Stühlen, mit je einem kleinen grünen Tisch davor. Überall waren Blumen. Die Wände bestanden aus gewobenen Zweigen, einige mit erlesenen Blüten.
Als sie uns sahen, brachte uns jemand zwei Stühle und bat uns, Platz zu nehmen. Das kam mir sehr entgegen, da meine Beine mittlerweile wie aus Gummi waren. Mir fiel eine ehrwürdige Person auf, die in der Mitte saβ, deren blaue Augen auf mir ruhten. Sein Haar und Bart waren sehr lang und weiβ, sein Gesicht jedoch faltenfrei und sah jung und zufrieden aus. Er hob seine Hand, um mich zu grüβen und ich erwiderte seinen Gruβ.
„Willkommen junger Mann von der Erdoberfläche“, sagte er mit einer klaren Stimme in Englisch. „Ich bin Arniel, Leiter des Symposiums. Wir hoffen dass es dir gut geht und du bei uns bleiben wirst.“
„Ich bin erstaunt und entzückt über alles was ich gesehen habe“, antwortete ich. „Aber ich vermisse meine Mutter und meine Schwester und würde gerne nach Hause, um sie zu besuchen. Danach würde ich gerne für immer hierher zurückkehren.
„Dein Wunsch wird erfüllt“, sagte Arniel. „Es gibt eine Bedingung. Wir möchten dass die Menschen auf der Erdoberfläche erfahren, dass es uns gibt. Du kannst gerne zurückkommen, zuerst musst Du jedoch die Nachricht unserer Existenz verbreiten.“
„Sie werden mir nie glauben“, murmelte ich, aber Arniel hob seine Hand.
„Gib nicht auf, was auch immer sie meinen. Wenn Du in Schwierigkeiten gerätst, kommen wir dir zu Hilfe. Es ist Zeit, den Menschen auf der Oberfläche von uns zu erzählen und dass sie nicht alleine sind. Es liegt uns fern, uns an ihrer Umweltverschmutzung oder ihrem Elend zu beteiligen. Bitte betone das. Wenn sie so weitermachen werden sie ihren eigene Vernichtung verursachen, ihren eigenen Untergang. Dies wird den Planeten selbst nicht betreffen, nur die Menschen. Es wird ernst sein, aber bald passieren.“
„Können wir nicht gerettet werden?“, fragte ich entsetzt.
„Wir hoffen es. Wir arbeiten daran, der Erde zu helfen, ansonsten könnten wir auch betroffen sein. Du musst unser Botschafter sein, Timothy.“
„Ich werde mein Bestes tun“, stotterte ich.
Der beeindruckende Älteste reichte mir eine Trillerpfeife. „Wenn du in Schwierigkeiten bist, blase hier hinein. Du wirst nichts hören, aber das Signal erreicht uns in Gedankengeschwindigkeit. Verlier sie nicht.“
Ich verbeugte mich und dankte ihnen immer und immer wieder bis Arniel mich lachend mit seiner Hand stoppte. Mach dir keine Sorgen wegen Geld, mein Sohn. Mannul wird dir jede Menge mitgeben. Du wirst vielleicht eine ganze Weile bleiben müssen. Er bringt dich bis zum Portal des Mount Shasta.“
Mannul zog mich am Ärmel, und diesmal verbeugte ich mich etwas schneller. Ich hatte keine Zeit zu sehen, wer die anderen an den grünen Tischen waren, aber ich war sicher dass ich sie nicht kannte. Ich fühlte mich völlig benommen.
„Du wirst passende Kleidung benötigen“, sagte Mannul als er mein dünnes weiβes Hemd und die engen blauen Hosen ansah. Er drängte mich aus dem Gebäude eine schmale Gasse hinunter, direkt zu einem Schneider. Wie hätte es auch anders sein können, überall hingen Kleider. Ein Mann trat aus dem Innenraum und grüβte Mannul freundlich.
„Bring dem Jungen gute Kleidung“, sagte mein Führer. Gib ihm eine Tasche gefüllt mit allem was er für einen Besuch auf der Erde benötigt. Und einen dieser Geldbeutel, die sie auf Oberfläche benutzen. Ich werde ihn mit Geld füllen.“
„Gehe ich jetzt direkt nach Kalifornien?“, fragte ich.
„Ja. Es gibt regelmäβige Flüge von hier nach Seattle.“
„Was wenn ich zurückkommen will?“
„Kommt Zeit, kommt Rat. Eins nach dem anderen. Zuerst wird dich der Schneider ausstatten. Ich warte hier auf dich.“
Als ich zu meinem Führer zurückkam, trug ich Jeans, einen blassblauen Pullover sowie eine marineblaue Jacke und fühlte mich leicht unbehaglich als ich Mannuls knöchellange Robe sah. Gleichzeitig fühlte ich mich groβartig und unglaublich erfreut, zu meinen Liebsten heimzukehren. Mannul gab mir einen prallgefüllten Geldbeutel. Er enthielt meinen Reisepass. Ich habe keine Ahnung wie er dazu gekommen ist.
„Es ist ein neuer Reisepass, den wir im „Oberflächenstil“ herstellen. Glaubst du nicht dass wir wissen was du benötigst, um dem langen Arm des Gesetzes zu entgehen?
Nun, offensichtlich hatte nur ich nicht soweit gedacht. Ich stapfte Mannul hinterher, mit meinem Rucksack, einer sicheren Last auf meinem Rücken. Wir schlängelten uns durch die pittoreske Stadt von Telos und erreichten einen Tunnel. Dort waren einige kleine Vehikel und Mannul und ich stiegen in eines ein. Er drückte einige Knöpfe und es startete sofort.
„Gib nicht auf, egal wie unfreundlich die Leute sind“, warnte er. „Und wenn du entgegen allen Erwartungen ein Erdenmädchen triffst, erzähl ihr von uns. Sie hat es nur verdient hierher gebracht zu werden, wenn sie dir glaubt.“
„Vielleicht werde ich zuhause bleiben wollen“, antwortete ich. „Meine Mutter braucht möglicherweise Hilfe. Sie wird von einer Witwenrente leben, die nicht sehr ergiebig ist.
„Ich bitte die Sterne um Führung“, sagte Mannul und warf mir einen wissenden Blick zu. „Du musst zurückkommen, wenn auch nur um Arniel Bericht zu erstatten. Wenn du danach zur Oberfläche zurückkehren willst, werden wir das dann besprechen. Ich glaube nicht dass die Sterne das für dich vorgesehen haben.“
„Welche Sterne?“ fragte ich und sah mich im Tunnel um. Da war nur ein schwaches flackerndes Licht von ein oder zwei Laternen. Mannul lachte nur und der Tunnel wurde gleich viel heller.
Der Lastwagen hielt vor einer langen Treppe. Ich umarmte meinen freundlichen Begleiter und ging die Stufen hinauf, meine Schritte beschleunigten sich beim Hinaufgehen. Schlieβlich stand ich auf einer Plattform und eine Eisentür öffnete sich zu dem was ich damals als Leben kannte. Ich ging langsam hinaus in Wind und Regen auf diesen groβartigen Berghang. Mount Shasta wurde Zeuge eines weiteren kleinen Menschen der seine dunkle Umarmung verlieβ und seinen Weg vorantastete, in das was als Realität bekannt war.

4. Traurige Neuigkeiten in Seattle

Ich erinnere mich nicht daran, wie ich den Mount Shasta hinunterkam, aber am Fuβe des Berges war eine kleine Stadt, voller Motels und Läden. Von dort reiste ich mit Bus und Taxi zum nächsten Passagierflughafen und saβ bald darauf in einem bequemen Sitz auf dem Flug nach Seattle.
Ich dachte an meine Mutter und meine Schwester und hatte eine verstohlene Träne auf meiner Wange als die Stewardess mit dem Getränkewagen kam. Ich erinnerte mich an meine Mutter als eine recht groβe, schöne Frau mit lockigem, blondem Haar und einigen grauen Strähnen, die ihr sanftes, rosiges Gesicht mit Augen wie Veilchen, umrahmten. Meine liebe Mutter war nicht nur attraktiv, sondern auch vernünftig, warmherzig und liebevoll!
Und der spitzbübische Rotschopf, Littl’un, eine kleine Schwester auf die man stolz sein konnte, aber die immer noch Schutz von ihrem älteren Bruder benötigte. Sie hatte ein Talent dafür, sich in heikle Schwierigkeiten mit ihren Freunden zu begeben. Als ich unser Zuhause verlieβ war sie siebzehn und bedenklich beliebt bei den Jungs. Meine Familie bedeutete alles für mich, und ich vermisste sie ungemein.
Je näher ich meinem Zuhause kam, desto beunruhigter wurde ich. Ich kam natürlich mit einer gut gefüllten Geldbörse an, was ich wohl erklären müsste. Ich war schick gekleidet und viel klüger als zu dem Zeitpunkt als ich aufgebrochen war. Aber auf hoher See verdient man kein Geld. Also würde ich wohl etwas erfinden müssen, bevor ich mich traute, die Wahrheit zu erzählen. Dann erinnerte ich mich daran, dass ich hier war, um die Wahrheit sagen; seufzend verzehrte ich den Rest des groβzügig gefüllten Tellers. Zu meiner Erleichtung war es kein Rindfleisch, sondern fein geschnittenes Hühnchen mit reichlich Gemüse. Nach vegetarischer Kost reagiert der Magen auf das was wir „normales Essen“ nennen, vor allem auf Fleisch.
Ich kannte den Flughafen in Seattle gut. Seattle liegt an der Küste und unser Haus in der Nähe vom Hafen, wo die Frachtschiffe anlegen. Unser Haus hatte, wie viele andere in der Gegend, einen eigenen Anlegesteg. Als ich aus dem Flughafentaxi ausstieg, pfiff ich die fröhlichste Melodie, die mir einfiel. Was für ein Gefühl! Ich war zurück in meinem geliebten Elternhaus.
Ich klingelte. Ich küsste die Türklinke und klingelte abermals. Ich wendete den speziellen Klingelcode an, den meine Schwester und ich nutzten. Keine Antwort. Mutter und Littl’un waren beide auβer Haus und ich hatte keinen Schlüssel. Dann hörte ich die Stimme einer Frau, die ich kannte. Es war die nette Dame von nebenan, bekannt unter dem Namen Big Tillie. Ich drehte mich um und da war sie.
„Bist du wirklich Timothy Brooke? Bist du nicht ertrunken? Bist du ein Geist?“
„Ich bin gesund und munter. Ich bin nicht ertrunken, aber alle anderen. Ich hatte keine Möglichkeit, meine Familie zu erreichen. Weiβt du wo sie sind?“
Ich dachte Tillie würde in Ohnmacht fallen und legte meinen langen Arm um sie, um sie zu stützen. Sie brach in Tränen aus.
„Du warst drei Jahre weg“, schniefte sie. Deine Mutter und Schwester sind beide gestorben. Deine Schwester hat heimlich geheiratet, kurz bevor die schrecklichen Neuigkeiten eintrafen. Sie starb bei der Geburt, sechs Monate nach ihrer Hochzeit. Deine Mutter wurde krank, nachdem sie von dem Schiffsuntergang hörte und starb einige Monate später. Ich denke sie starb an Kummer, nachdem sie ihre ganze Familie verloren hatte. Das Haus stand lange zum Verkauf, lieβ sich aber nicht verkaufen. Somit denke ich, gehört es dir. Dein Schwager, Bertie, ist nach Vancouver gezogen. Ich glaube er hat wieder geheiratet.
„Ich habe die Adresse vom Rechtsanwalt deiner Mutter. Du musst herausfinden, ob deine Mutter ein Testament hinterlassen hat. Komm herein und ich mache dir eine Tasse Tee, damit du dich stärken kannst. Du kannst hier bleiben bis du dich gesammelt hast.“
Ich folgte der lieben, alten Tillie. Ich fühlte mich, wie wenn eine kalte Hand mein Herz erfasste. Ich hatte keine Familie mehr. Es gab nur noch mich. Ich war die einsamste Person der Welt. Ich sank auf Tillies Sofa und weinte. Diesmal waren es keine Tränen des Glücks. Ich tat mir unsäglich leid, obwohl ich wusste dass es nicht helfen würde und fühlte mich vor Kummer überwältigt. Trotz all der schlechten Nachrichten hatte ich eine schwierige Aufgabe zu erfüllen.
Tillie war eine groβe Hilfe. Sie rief sofort den Anwalt an und ich nahm ein Taxi, um die Hausschlüssel bei ihm abzuholen. Ohne den Beweis, dass es noch Erben gab, war es ihm nicht gelungen, das Haus zu verkaufen. Der Anwalt hatte es mit den Nachforschungen nicht eilig gehabt. Er schien erleichtert, dass ich aufgetaucht war und dass Tillie für mich bürgen konnte. Somit hatte ich ein Dach über dem Kopf.